40 Jahre „Angie“ – bemalte Nippel auf dem Plattencover

01.09.2013 Music is the Best Keine Kommentare

Cover Singleauskopplung Angie von den Rolling StonesBlonde Locken, nackte Haut und buntbemalte Brustnippel auf dem Plattencover anno 1973.  „Angie“ von den Rolling Stones wird 40 – und noch immer schlägt der Zensus einen Purzelbaum!

Die erfolgreichste Singleauskopplung der Rolling Stones liefert seit jeher Stoff für manche Debatte und Spekulation. Da freuen sich Hobbydetektive und Verschwörungstheoretiker gleichermaßen. Und ich find’s auch cool!
Da vermuten die einen, die traurige Abschiedsballade sei einer der vielen Stones Freundinnen gewidmet, vielleicht Sängerin Marianne Faithfull oder Model Anita Pallenberg. Kann schon sein. Andere meinen, es könnte aber auch Mick Jaggers Versuch gewesen sein von seiner Kokainsucht loszukommen, schließlich sei „Angie“ der englische Codename für Kokain. Auch eine Idee.

Angela Bowie, die Ex-Frau von Glamrock-Ikone David Bowie kommt in ihrer Autobiographie mit einer wesentlich spannenderen Behauptung um die Ecke: Sie sei eines Morgens nach einer langen Partynacht nachhause gekommen und habe ihren damaligen Ehemann und Mick Jagger zusammen nackt im Bett erwischt. „Angie“ sei so eine Quasientschuldigung Jaggers dafür. Nun ja, nach anderen Quellen soll es sich  eher um eine Dreicksbeziehung gehandelt haben. Na, dann hätten ja wenigstens alle was davon gehabt.

Alles Quatsch, sagt Keith Richards. Der Titel „Angie“ sei ihm nach der Geburt seiner Tochter Angela einfach  in den Sinn gekommen und Jagger habe dann den restlichen Text dazu geschrieben.

Wie auch immer, meine Eltern hatten ihre Probleme eher mit dem Cover der kleinen schwarzen Scheibe. Denn das Artwork gibt dem Casablanca-Spruch „Ich schau dir in die Augen Kleines“ gleich eine völlig andere Bedeutung.
Unterm Strich ist die Idee mit dem sparsamen Bodypainting zwar geklaut (René Magritte lässt grüßen), aber die Intention ist neu. Witzig und provokativ. In der Welt meiner Eltern passten nackte Brüste und ein pubertierende 13-jähriger jedenfalls überhaupt nicht zusammen. He, da frag ich dich: Was passt denn besser?

Mit dem freizügigen Cover hatten aber auch gewisse staatliche Organe ihre Probleme. In manchen Ländern landete die 45er prompt auf dem Index oder durfte nur mir dem fettgedruckten Titel als Zensurbalken über den wohlgeformten blauen Kulleraugen veröffentlicht werden. In Deutschland stand die Single übrigens in der Originalverpackung in den Plattenläden.

Randnotiz: Polydor zensiert „The Rolling Stones Singles Box Set (1971-2006)“

Als 2011 die opulent ausgestatte Sammlerbox bei der Polydor erschien, war bei den Stones Fans die Freude groß und die Erwartungen wohl noch größer. 45 liebevoll gestaltete Miniaturversionen der Original-Singles für den Sammler. Aber keine Ahnung, was die Leute bei Polydor geritten hat, denn bei 12 Singles hat man es aus unerfindlichen Gründen nicht geschafft, das Originalcover zu drucken. Da war „Angie“ natürlich dabei.
Die einen reden jetzt schlicht von Geiz bei der Plattenfirma wegen der Lizenzrechte, andere von  Zensurmaßnahmen. He, ihr Verschwörungstheoretiker, wir leben im Jahr 2013. Über ein paar nackte Brüste regt sich heute keiner mehr auf. Vielleicht von ein paar Suffragetten oder Fundamentalisten vielleicht mal abgesehen. Aber was funktioniert besser als alle staatlichen Zensurmaßnahmen zusammen? Die freiwillige Selbstzensur – genau!

Was bleibt da unterm Strich? Happy Birthday, Angie! Irgendwie bist und bleibst du mein Lieblingssong von den Stones.

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